Archiv 2010

Tata revolutioniert den Wohnungsmarkt in Indien

Den Traum vom eigenen Heim träumen viele – aber vor der Erfüllung steht die Finanzierung – und die können viele sich nicht leisten. Schon gar nicht in Indien und bestimmt nicht diejenigen, die am unteren Teil der Einkommenspyramide leben, obwohl sie arbeiten und Geld verdienen – aber eben nicht genug für ein Haus oder eine Wohnung. Ist das nicht eine Menge an Nichtkunden? Und wie kann man diese große Gruppe doch zu Käufern machen? Indem man ihnen ein auf sie zugeschnittenes Angebot macht – wie uns der indische Tata-Konzern mit dem Nano-House zeigt.

Der leider vor kurzem verstorbene indisch-amerikanische Ökonom C.K. Prahalad sagte es immer wieder: Es bringt nichts, immer weiter nach oben zu denken, immer mehr in Richtung Premium und Luxus. Unternehmen müssen unbedingt auch attraktive Produkte für die Kunden aus dem unteren Teil der Einkommenspyramide entwickeln, und das mit Blick auf die ganze Welt und alle Menschen. Auch die in der sogenannten „Dritten Welt“! Für die vielen Menschen in Afrika, China, Indien oder Brasilien, die arbeiten und Geld verdienen, die sich aber trotzdem viele Produkte immer noch nicht leisten können. "Bottom of the Pyramid".(BOP) – nannte Prahalad diese Gruppe.

Besonders westliche Unternehmen lassen diese riesige Zielgruppe oft außen vor und vernachlässigen damit einen äußerst interessanten Markt. Die indische Tata-Gruppe von Jamshedji Tata hat dies erkannt und bietet nun den Traum von der eigenen Wohnung für alle an.

Im letzten Jahr präsentierte Tata mit dem Nano das billigste Auto der Welt: er kostet 100.000 Rupien (1.700 Euro). Nachdem das Angebot auf große Nachfrage stieß, stieg Tata mit der gleichen Idee in den Wohnungsbau ein.

Am Rand von Mumbai entstehen zurzeit 1.244 Mini-Wohnungen. Nano-Appartments mit einer Fläche von nur 20 Quadratmetern, die Tata zum Discount-Preis von 5.600 Euro verkauft. Um diesen Preis möglich zu machen, hat sich Tata von vielen Standards heutigen Wohnungsbaus verabschiedet. Zum Beispiel dem vierten Stock, weil ab dem dritten die Statik kompliziert und damit teurer wird. Die Mauern sind aus gegossenen Betonklötzen, nicht aus Stein, und natürlich gibt es keine Aufzüge. Alles ist technisch sehr schlicht – und kann so auch von ungelernten Arbeitern sehr schnell zusammengebaut werden.

Tata beweist damit echten Geschäftssinn: Allein in Indien gibt es aufgrund der Einkommensstruktur der Bevölkerung einen Markt für das Nano-House von beinahe 200 Millionen Kunden!

So funktioniert das Nano-House-Prinzip

Manchmal genügt es, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wie hier von unten, vom Fuß der Pyramide sozusagen. Und so Käuferschichten zu entdecken, die ein riesiges Potenzial allein schon von der Menge her bieten, und die bisher überhaupt nicht beachtet wurden. Tata macht den Traum vom Eigenheim für viele Menschen möglich, die sich bis dahin niemals eine eigene Wohnung hätten leisten können – und erschliesst sich damit einen wirklich gigantischen Käufermarkt.

Wenn auch Sie vom Nano-House-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich

  • Wie kann ich mein Produkt so reduzieren, dass ich es für eine große Zielgruppe erschwinglich machen kann, die sich dieses Produkt bisher nicht leisten konnte?
  • Welche Prinzipien, die ich erfolgreich bei einem Produkt umgesetzt habe, kann ich auch auf völlig andere Produkte übertragen? (Nano-Auto – Nano-Haus)