Archiv 2010

Strassenmusik

Wie kann man Autofahrer dazu bringen, die Geschwindigkeitsbegrenzung auch wirklich einzuhalten? Die übliche Lösung sind möglichst viele Hinweisschilder, Kontrollen und die entsprechenden Strafen bei Übertretung.
Aber wie wäre es, wenn es einfach Spass machen würde, eine bestimmte Geschwindigkeit zu fahren? Der Geschäftsführer einer japanischen straßenbaufirma hatte eine clevere Idee, und baute eine Strasse, die Musik macht - bei der richtigen Geschwindigkeit!

Kunihiro Adachi, Geschäftführer der japanischen Straßenbaufirma Suehiro Sangyo, fuhr eines Tages über eine Brücke mit Metallplanken, und ließ sich durch die rhythmischen Geräusche, die die Reifen machten, zu einer beeindruckenden Idee inspirieren. Er überlegte, dass man aus diesen Geräuschen auch Melodien machen könnte. Das Prinzip ist dabei ganz einfach, je breiter die Rillen, desto tiefer der Ton, je enger, desto höher.

Den schönsten Klang erzeugen die Reifen auf den Musikstrassen bei Tempo 40, das bedeutet rückläufige Unfallzahlen. Es wird überlegt, in Absprache mit der Polizei an besonders gefährlichen Stellen ein Sirenengeräusch einzubauen.

Die Musikstrassen (melody roads) sind auch eine Attraktion für Touristen, es gibt schon eine "Melody Map" (Melodien-Landkarte) in Japan, auf der diese Strecken zu finden sind.

Das Prinzip, dass man Menschen durch "Spass an der Freud" eher zu etwas bewegen kann als durch Zwang und Kontrolle, macht sich übrigens auch Volkswagen mit der Fun-Theory-Kampagne in Schweden zunutze. Die Fun-Theory (Spaß-Theorie) besagt, dass etwas so einfaches wie Spaß der einfachste Weg ist, um das Verhalten der Menschen zu verändern. Sei es für sich selbst, für die Umwelt oder für etwas ganz anderes, das einzige was zählt, ist, dass es einen Wandel zum Besseren bewirkt. Aufbauend auf dieser These startete Volkswagen vor einigen Monaten in Schweden einen Nachhaltigkeitswettbewerb. Prämiert wurden Ideen, wie man Menschen dazu bringen kann, ihr Verhalten nicht durch rationale Argumente, sondern durch Spaß zum Besseren zu ändern.

Dass es funktionieren kann, beweisen die rückläufigen Unfallzahlen auf den Musikstrassen Japans! Als "Nebeneffekt" ist die Straßenbaufirma des cleveren Geschäftsführers auf jeden Fall voll ausgelastet.

So funktioniert das Musikstrassen-Prinzip

Wenn man auf einer der japanischen Musikstrassen fährt, erzeugen die Reifen durch die ausgeklügelt in den Straßenbelag eingefrästen Rillen eine Melodie, die am schönsten bei einer Geschwindigkeit von 40 km/h klingt. Die Autofahrer halten sich so besser an die Geschwindigkeitsbegrenzung, es gibt weniger Unfälle, und das ganze ist auch noch eine Touristenattraktion. Statt mit Zwang und Kontrolle werden die menschen hier durch Spaß zu einer Verhaltensänderung gebracht.

Wenn auch Sie vom Musikstrassen-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich

  • Kann ich einen ungewöhnlichen Nebeneffekt meines Produkts spaßbringend für meine Kunden nutzen?
  • Wie kann ich Abläufe und Services so gestalten, dass sie meinen Kunden Spaß bringen?
  • Wie kann ich Musik, Melodien, Farbe und Design nutzen, um meinem Produkt einen Spaß-Faktor zu geben?