Archiv 2008

Wenn Wendelin Wiedeking ein Krankhaus managen müsste...

Querdenker sind manchmal gar nicht kreativ. Sie gucken einfach nur ab! Das kreative am Abschauen ist es aber, nicht einfach bei den Konkurrenten in der eigenen Branche zu kopieren, sondern Konzepte aus vollkommen anderen Bereichen zu übernehmen.

Ob ein Krankenhaus etwas von einem Automobilkonzern lernen kann?

Aber sicher! Wie Porsche einem Krankenhaus zu 30 Prozent mehr Produktivität verhalf, lesen Sie in diesem Artikel.  

07:15 Uhr. Dr. Ulrich Schlummer hat gerade seine erste Runde durch die Intensivstation hinter sich.

Heute morgen hat er operiert, später muss er in eine Abteilungsbesprechung, dazwischen sind Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Zeit ist im Krankenhaus-Alltag leider Mangelware.

Doch das ist nicht das einzige Problem, welches Herr Dr. Schlummer in der Organisation des Krankenhausablaufes sieht: Immer wieder müssen Operationen verschoben werden, da die Säle mehrfach verplant wurden.

Hinzu kommt, das Patienten sich häufig über die langen Wartezeiten beschweren. Nicht nur die OP-Säle, sondern auch die Zimmer sind regelmäßig überbelegt.

Eine Party gab den Ausschlag

Porsche Chef Wendelin Wiedeking und der Gefäßchirurg Fiedhelm Beyersdorf unterhielten sich auf einer Party. Sie diskutierten über die Problematik in deutschen Krankenhäusern. Während dieser Unterhaltung, fanden Sie eine Gemeinsamkeit:

Die Struktur der Organisation des Krankenhauses ähnelte der von Porsche in den frühen 1990er Jahren. Hohe Kosten, unnötiger Leerlauf, unstrukturiere Abläufe und fehlende Transparenz.

Wiedeking fand, dass auch in einem Krankenhaus planbare Prozesse ablaufen müssten, genau wie in der Automobilbranche. Diese Fertigungsprozesse müssten sich eigentlich auch auf den Krankenhaus Alltag übertragen lassen.

Daraufhin entwickelten Wiedeking und der Deutschlandchef von McKinsey eine Pro-Bono-Beratung für die Uniklinik Freiburg. Ihre These, war dass 70 Prozent der Arbeitsschritte im Krankenhaus planbar sind, auch wenn Notfälle den Ablauf stören.

Vor eineinhalb Jahren wurde die Organisation der Uniklinik Freiburg aufgrund dieser Erkenntnisse komplett umgestellt:

Zuvor wurde die Organisation der Operationen durch mehrere Ärzte selbst erledigt. Meistens kümmerte sich jeder Arzt selbst um die Belegung der Betten und Operationssäle.

Mit der Umstrukturierung wurden OP-Checklisten und verschiedene Tätigkeitsfelder entwickelt. Heute plant ein OP-Koordinator, wann wer welche Operationen durchführt. Der Patientenmanager ist für die Aufnahme, die Bettenbelegung und die Entlassung zuständig. Der Pfad-Koordinator pflegt die Akten der Patienten. Sogar einen Zukunftsplaner hat die Uniklinik Freiburg: Professor Manfred Zehender ist der Sprecher der Kommission zur Entwicklung und Strukturoptimierung.

Die vielen Maßnahmen zahlen sich aus: In den letzten eineinhalb Jahren konnte die Uniklink Freiburg ihre Produktivität um 30 Prozent steigern - und hat damit mehr Zeit für die, um die es eigentlich geht: Die Patienten!

So funktioniert das Porsche-Krankenhaus-Prinzip

Die Uniklinik Freiburg hat die Erfahrungen aus einer völlig anderen Branche genutzt, um die eigenen Abläufe zu optimieren. Die Automobilindustrie gehört zu den am weitesten entwickelten Industriezweigen in Deutschland - warum nicht davon profitieren?

Durch die neue Ablauforganisation in der Uniklink Freiburg hat sich der Alltag der Ärzte wesentlich verbessert. Die Neuschaffung von Teilarbeitsplätzen ermöglicht den Ärzten, sich mehr um ihre Patienten zu kümmern und Termine besser einhalten zu können.

Wenn auch Sie vom Porsche-Krankenhaus-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich

  • Was können Sie von der Automobilindustrie lernen?
  • Welche vollkommen anderen Branchen haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie Sie? Wie haben sie diese Probleme gelöst?