Archiv 2008
Kauf Dir ein Stück LKW
Ist es Zufall, dass viele große Ideen von jungen Unternehmern, oft von
Studenten realisiert werden? Die Gebrüder Freitag starteten ihr Unternehmen in
der Züricher Wohngemeinschaft, in der Markus Freitag ein Zimmer hatte. Unter dem
Küchenfenster fuhren regelmäßig Lastwagen vorbei - und inspirierten die Brüder
Freitag zu der Idee, Umhängetaschen aus LKW-Planen zu fertigen, mit denen sie
heute weltweit präsent sind. Inspiriert durch die Umhängetaschen der New Yorker Fahrradkuriere und die an
ihrer WG-Küche permanent vorbeifahrenden LKW designten Markus und Daniel Freitag
1993 ihre erste Tasche aus LKW-Planen.
Das Geschäft lief in den ersten Jahren schleppend. Zwar verkauften sie in den ersten zweieinhalb Jahren 1000 Taschen, die sie in einer Behindertenwerkstatt anfertigen ließen - aber die Kosten fraßen die Umsätze auf und der eigene Verkauf lief schleppend.
Erst als die Gründer Kooperationen mit Läden und Geschäften suchten, die ihre innovativen Produkte in ihre Regale legten, nahm das Unternehmen Fahrt auf. Heute werden ihre Taschen in über 350 Geschäften weltweit verkauft, in Zürich sieht man die robusten Taschen mit dem prominenten Freitag-Logo fast an jeder Ecke.
Die Taschen sind nicht nur besonders robust, sondern jedes Stück ist auch ein echtes Unikat, denn die verwendeten LKW-Planen sind alle unterschiedlich. Eines der ersten Exemplare findet sich heute gar im Museum of Modern Art in New York.
Als das Unternehmen wuchs - Freitag beschäftigt heute etwa 50 Mitarbeiter - eröffnete man auch ein eigenes Geschäft.
Ein gut gehendes Unternehmen mit stylischen Produkten findet man natürlich in einem modernen, lichtdurchfluteten Glasbau mit kleinen Gewässern vor dem Eingang und Pflanzen überall.
Könnte man meinen...
In Wirklichkeit wählten die Brüder ein vollkommen anderes Gebäude für ihr Geschäft: Mehrere aufeinander gestapelte, gebrauchte Container direkt an der Zürcher Hardtbrücke, wo Tag und Nacht Verkehr fließt, bilden das weithin sichtbare Verkaufsgebäude.
Die Themen Verkehr und Wiederverwertung von Materialien finden sich also nicht nur in den Produkten wieder, sondern auch in dem eindrucksvollen Gebäude. Dieses lockt besonders mit seiner Aussichtsplattform auf dem Dach des letzten Containers.
Um die zu erreichen, steigt man Verkaufsebene um Verkaufsebene nach oben - vorbei an all den ansprechenden Umhängetaschen unterschiedlichsten Musters.
Ungewöhnliche Maßnahmen erfordern - noch ungewöhnlichere Maßnahmen: Da natürlich nicht auf jeder Verkaufsebene ein Mitarbeiter vor Ort sein kann, gibt es auf den unterschiedlichen Ebenen Telefone, mit denen man bei Beratungsbedarf sofort Hilfe herbeirufen kann.
Und trotz des auf den ersten Blick wenig repräsentativen Gebäudes: Auf der Suche nach dem Geschäft zucken die meisten Zürcher Einwohner rätselnd die Schultern, als man sie nach der Straße fragt.
Aber dann, bei dem Satz "Wir wollen zu dem Verkaufsgeschäft von Freitag" leuchten die Augen auf. "Ach DAS meinen Sie. Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?"
So funktioniert das Freitag-Prinzip
Die Gebrüder Freitag haben bewiesen, dass es Sinn macht, ein Geschäftsthema stringent und mutig überall durchzuziehen - ohne Rücksicht auf allgemeine Konventionen. Bei Freitag sind dies die Themen Transport und Wiederverwertung, die nicht nur in den Produkten auftauchen, sondern auch in ihrem Verkaufsgebäude in der sonst so edlen Stadt Zürich.
Wenn auch Sie vom Freitag-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich
- Welches Thema liegt allen Ihren Produkten zugrunde? Wie können Sie dieses Thema noch weiter ausschlachten?
- Welche vorhandenen Tabus gibt es, die man in Ihrer Branche niemals bricht? Was passiert, wenn Sie diese doch brechen würden?
Das ist auch noch lesenwert
Offizielle Homepage von Freitag mit schönen Produktbeispielen
Artikel über Freitag in der brandeins (Artikel als PDF zum Download)

