Archiv 2007

Kaffeebohnen hinter Gittern

Seit März 2007 herrscht in der Justiz Vollzugsanstalt in Hünfeld, Hessen, milde Harmonie - in Form von Kaffeebohnen, die dort von Gefangenen veredelt werden.

Was passiert, wenn ein Unternehmen aus der Privatwirtschaft den Betrieb einer Justizvollzugsanstalt übernimmt? Solche kurz PPP-Projekte (Public Private Partnership) genannten Kooperationen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Hier gelingt sozusagen "Querdenken at its Best": Unternehmen bringen ihre wirtschaftlich ausgerichtete Gedankenwelt in Behörden, Ämter und die Verwaltung.

Genauso war es auch, als das Bonner Dienstleistungsunternehmen Serco den Betrieb der JVA Hünfeld übernahm. Zu einem Gefängnis gehört auch immer eine Werkstatt, in der die Insassen Produkte fertigen. "Tütenkleben" wie der Volksmund sagt, ist jedoch selten besonders anspruchsvoll. Traditionell gehört die Produktion von sehr einfachen Produkten wie Fußmatten oder Besen zu Repertoire der Gefängnis-Werkstätten.

Serco hat genau diese Praxis in Frage gestellt: Warum sollte nicht auch eine Gefängnis-Werkstatt wirtschaftlich betrieben werden? Gute Produkte und ein wirtschaftlicher Betrieb kämen letztendlich allen zugute. Aber auch auf die Motivation der Inhaftierten dürfte sich die neue Aufgabe positiv auswirken, wenn sie plötzlich hochwertige Produkte herstellen und ihr Können gefragt ist.

So entstand die Idee, in der JVA Hünfeld Kaffee zu rösten. Zusammen mit einem Handelsgeschäft für Kaffee wurden geeignete Bohnen für die Bohne No 1 ausgesucht und in eine Maschine zur Kaffee-Rösterei investiert.

Großer Andrang bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Bohne No 1

Den Kaffee mit dem witzigen Logo eine Bohne hinter Gittern kann man unter anderem in ausgewählten Fachgeschäften beziehen - oder neuerdings über den Onlineshop des Gefängnisses, über den auch andere Produkte aus den Werkstätten vertrieben werden.

Der Onlineshop der JVA Hünfeld

Ein Teil des Erlöses des Kaffees geht an den Verein "Weisser Ring", der Opfer von Kriminaldelikten unterstützt.

So funktioniert das Bohne-No1-Prinzip

Serco hat die Arbeit von Gefängniswerkstätten grundsätzlich neu gedacht und mutig über den Tellerrand geblickt. Die Idee, die Gefangenen mit anspruchsvolleren Arbeiten zu motivieren und zu resozialisieren führte zu einer witzigen Idee der umganggsprachlichen Knastbohne und sorgte für einen großen Marketingeffekt für den Justizvollzug und das Land Hessen.

Wenn auch Sie vom Bohne-No1-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich

  • In welchen Bereichen haben sie bisher nicht daran gedacht, diese wirtschaftlich zu betreiben?

  • Haben Sie Mitarbeiter, die Sie durch eine Aufwertung ihrer Arbeit noch mehr motivieren könnten?

  • Wo lassen sich niedrigwertige Produkte durch hochwertige ersetzen?

  • Welche Tabus gibt es in Ihrer Branche und welcher Nutzen könnte daraus entstehen, diese zu brechen?