Querdenk-Magazin

Im Querdenk-Magazin stellen wir Ihnen interessante Geschäftsideen aus aller Welt vor, die zwar (leider) nicht unsere Ideen waren, aber Ihnen wertvolle Anregungen geben können. Lassen Sie sich inspirieren!

Querdenk-Magazin März April 2010

In Nordrhein-Westfalen stehen die Landtagswahlen an. Und das vielleicht Störendste an Wahlen überhaupt sind die unzähligen Wahlplakate, mit denen eine Stadt wie Köln jetzt wieder zugepflastert wird. Seit einiger Zeit nehme ich auch vermehrt war, wie die Plakate sich in den kleinen Einbahnstraßen unseres Wohngebiets ausbreiten.

Neulich dachte ich, ich sähe nicht richtig: Vor dem Edeka-Markt stehen zwei Einkaufswagen. Beide dick bepackt mit Lebensmitteln, einer mit Aldi-Produkten, einer mit Produkten von Edeka. Und mit Klebeband daran befestigt: Der Bon! Die Aussage war, dass die gleichen Produkte bei Edeka weniger kosten als bei Aldi. Das wird den einen oder anderen überraschen.
Viele denken, Aldi sei nur deswegen erfolgreich, weil es der Billigheimer unter den Discountern ist. Aber weit gefehlt: Erwiesenermaßen ist Aldi besonders wegen seiner Einfachheit so beliebt. Wer Zucker kaufen möchte, hat dort nicht die Auswahl zwischen 10 Sorten unterschiedlichster Körnung, sondern steht vor der Wahl: Kaufen oder anderswo hingehen. Eine Alternative gibt es nicht. Das entstresst und macht den Einkauf viel schneller.
Als ich später bei Aldi am Band stehe, fällt mein Blick auf ein großes Plakat am Fenster. Zu meinem Erstaunen ging man mit keinem Wort darauf ein, dass die Lebensmittel hier am billigsten seien – sondern dass Aldi unangefochten der „Schnäppchenkönig“ ist. Ich musste schmunzeln. Während andere Marken jetzt mit dem günstigen Preis für Lebensmittel argumentieren, ist Aldi schon wieder weiter. Nicht billige Lebensmittel sind in (längst ist der Discounter auch bio), sondern günstige, wöchentliche Angebote für Computer, Skijacken oder Bilderrahmen.
Hinter einem niedrigen Preis muss auch immer ein besonderes Konzept stecken. Bei den Billigfliegern sorgen erst der Verzicht auf Lounges, Essen an Bord, Ticketversand und Reisebüro-Provision für die  günstigen Preise. Und bei Aldi eben die reduzierte Angebotsbreite, der Verzicht auf das Auspacken der Paletten und Kartons oder lichtdurchflutete Einkaufspaläste.
Der Preis KANN also ein Differenzierungsmerkmal sein, wenn das Konzept dahinter stimmt. Wer nur das gleiche wie andere billiger anbietet, gewinnt vielleicht den einen oder anderen Kunden – nicht aber die Zukunft.
In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen!
Heike Grunwald