Archiv 2007
Weniger Storm, mehr Brain...
Welches Bild haben Sie vor Augen, wenn Sie das Wort "Computerspiele" hören? Ganz klar: Ballernde Kids, männlich, zwischen 14 und 20 Jahren, die mit rot unterlaufenen Augen auf Zombies ballern. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die großen Hersteller von Computer-Games seit Jahren auf ganz andere Zielgruppen schielen. Besondern die weibliche Zielgruppe wollte man erschließen doch Playstations in Pink und Spiele wie "Meine Tierarztpraxis" sollten kleinen Mädchen gefallen und lagen doch schwer wie Blei in den Regalen. Lange musste man davon ausgehen, dass es einfach unmöglich wäre, etwas zu entwickeln, was Zielgruppen außerhalb der Pubertät ansprach, doch dann gelang Nintendo der Durchbruch mit Dr. Kawashimas Gehirnjogging.
Etablierte Spieleentwickler würden bei der Anwendung, die auf einer handlichen Spielekonsole ähnlich dem bekannten Gameboy gespielt wird, den Kopf schütteln: Die Grafik, um deren Weiterentwicklung sich die gesamte Welt der Spieleentwickler gedreht hat, spielt hier keine Rolle!
Die Übungen zum Gehirnjogging sind sowohl in der ersten Version als auch in der Fortsetzung "Mehr Gehirnjogging" sehr simpel und machen Spaß:
Der beliebte und in Japan sehr berühmte Neuro-Wissenschaftler Dr. Ryuto Kawashima vertritt die These, dass einfache Übungen wie Kopfrechnen und genaues Zuhören die Konzentration stärken und das Gehirn trainieren.
Dementsprechend werden die Spieler durch unterschiedliche kleine Übungen mit Jogging-Effekt für das Gehirn geschleust: Er rechnet mit Geld und Uhrzeiten, muss mal in vorgegebenen Rechnungen die richtigen Rechenzeichen einsetzen oder mitzählen, wie viele Menschen in einem Haus sind, während auf der einen Seite Menschen das Gebäude betreten und andere gleichzeitig das Haus auf der anderen Seite verlassen.
Im Spiel "Pianospieler" werden auf der linken Bildschirmhälfte Noten vorgegeben und auf der rechten Seite muss der Nutzer die entsprechenden Tasten auf einer Tastatur drücken. Nur wer richtig spielt, hört das richtige Lied!
Je nach Aufgabenstellung wird festgehalten, wie schnell das jeweilige Spiel absolviert wurde oder wie viele Fehler man begangen hat.
Spielt man zum ersten Mal mit Dr. Kawashimas Gehirnjogging, muss man sich registrieren, seinen Namen und das Geburtsdatum angeben.
Die Fortschritte in den einzelnen Übungen werden so festgehalten und von Dr. Kawashima kommentiert. Über die Wochen kann man den Trainingseffekt so nachvollziehen und mit anderen Mitspielern vergleichen. Jedes Spiel wird nur einmal täglich protokolliert.
Der Clou ist aber die Berechnung des "Geistigen Alters". Wählt man im Startmenü die Option "Alterstest" muss man drei zufällig ausgewählte Tests bestehen. Wie gut man diese absolviert hat, wird hinterher addiert und als "Geistiges Alter" ausgegeben, dass ebenfalls festgehalten wird, so dass man seine Trainingseffekte über die Monate verfolgen kann.
Mit diesem Spiel ist es Nintendo gelungen, alters- und geschlechtsübergreifende Zielgruppen anzusprechen. Weltweit wurde eine große Marketingaktion mit Nicole Kidman gestartet, in Deutschland warb zum Beispiel der Moderator Jörg Pilawa für das witzige Spiel.
Da das Spiel nur auf der kleinen Spielekonsole Nintendo DS gespielt werden kann, haben sich die Verkaufszahlen für die Hardware drastisch erhöht. Das Spiel und die Konsole haben sich weltweit mehrere Millionen Mal verkauft.
Und Nintendo setzt weiter auf Spiele mit Nutzwert: Neben Gehirnjogging gibt es mittlerweile auch mehrere Anwendungen, mit denen sich Sprachen üben und vertiefen lassen und sogar Yoga kann man mit Hilfe der Nintendo DS Konsole erlernen.
So funktioniert das Kawashima-Prinzip
Bei der Entwicklung von Dr. Kawashimas Gehirnjogging hat Nintendo die bisherigen Schlüsselfaktoren vollständig neu definiert: Nicht eine immer bessere, interessantere Grafik hat dazu beigetragen, neue Zielgruppen zu erschließen, sondern ein Lernprogramm, das auf einfache Weise den Geist herausfordert und darüber hinaus verspricht, nützlich und wertvoll für die Gesundheit zu sein.
Wenn auch Sie vom Kawashima-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich
- Welche Interessen haben neue Zielgruppen, die Sie ansprechen wollen, wirklich?
- Stellen Sie einmal jeden Ihrer Schlüsselfaktoren kritisch auf die Probe: Sind diese wirklich notwendig?
- Können Sie scheinbar Unverzichtbares weglassen?
- Wie können Sie den Trend hin zu Gesundheit und Sich-Gutes-tun nutzen?
Das ist auch noch lesenwert
Wikipedia-Eintrag über Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging

