Archiv 2009

Exklusive Mode vom fliegenden Händler

Kann ich meine Ware einfach durch eine andere Art des Verkaufens so individuell und exklusiv machen, dass sie unter Eingeweihten absolut heiß begehrt und damit für mich leicht verkäuflich wird? Gute Frage, die sicher viele von uns interessiert.

Wie das funktionieren kann, zeigt uns Alexander Brenninkmeijer mit seinem erfolgreichen Label „Clemens en August“. Seine Mode kann man nur zweimal jährlich kaufen...

Alexander Brenninkmeijer

Alexander Brenninkmeijer ist Spross einer der reichsten Familien Europas. Seine Vorfahren Clemens und August gründeten in den Niederlanden das heutige Textilunternehmen C&A.

Brenninkmeijers Weg hätte ihn vielleicht an die Unternehmensspitze geführt. Er studierte Betriebswirtschaft, arbeitete beim Familienunternehmen im Einkauf, Marketing und Verkauf. Aber nach acht Jahren in der „Firma“ kündigt er seinen Arbeitsvertrag und reiste in den Himalaya auf der Suche nach einem neuen Konzept für sein Leben. Nach seiner Rückkehr schloss er sich für fünf Jahre mit dem Designer Kostas Murkudis zusammen.

Seit 2004 hat Brenninkmeijer jetzt sein eigenes Label „Clemens en August“ und knüpft damit an die Ursprünge seiner Familientradition an. Wie ein fliegender Händler fährt er mit seinen Kollektionen von Stadt zu Stadt. Auf die Idee haben ihn seine Vorfahren gebracht. Auch die beiden Urahnen Clemens und August reisten vor rund 160 Jahren durch die Lande, weil die wohlhabenden friesischen Bauern keine Zeit hatten, in die Stadt zu fahren.

Exklusivität wird hier nicht über den Preis, sondern über die Art des Verkaufens angeboten.
Da das Label jeweils nur drei Tage in einer Stadt bleibt und es jedes Stück nur einige Male gibt, ist das Angebot extrem limitiert. Wer zu spät kommt, muss bis zur nächsten Kollektion warten.

Zweimal im Jahr geht er auf „Tour de Mode“ durch mittlerweile zwölf Städte, darunter London, Berlin, Zürich, Köln und Wien. Für drei bis vier Tage mietet sich das Label in Galerien oder Museen ein. Darüber informieren die Website und der Newsletter.

Für das informierte Publikum heißt es dann schnell zuschlagen, bevor beliebte Größen vergriffen sind. Mittlerweile bekommt man jedoch nach seinem Kauf einen individuellen Code in die Hand mit dem man sich auf der Website in den Online-Shop begeben kann. Es könnte ja sein, dass aus anderen Städten der Tour die richtige Größe ins Atelier zurückgekommen ist.

Die Mode besticht durch einen puristischen, schlichten Stil und außergewöhnliche Qualität zu traumhaft fairen Preisen. Alexander Brenninkmeijers Kollektionen, die nur an schlichten Kleiderstangen präsentiert werden, entstehen mit einem kleinen Team in einem Münchner Atelier. Die klassischen Schnitte und edlen Materialien haben wenig gemein mit dem Angebot bei C & A. Das Besondere liegt im Detail, der Preis ist moderat. Ein klassischer Anzug aus sehr hochwertigem Material kostet 380 Euro plus Mehrwertsteuer. Der Kunde kauft zum Einkaufspreis, es wird mit dem gleichen Preisfaktor kalkuliert, als ob in Paris an Einzelhändler verkauft würde.

Die im Handumdrehen ausverkauften Kollektionen haben sich bei Kennern und Liebhabern preisgünstig angebotener Spitzenqualität herumgesprochen. Mit diesem Konzept spart Brenninkmeijer die teuren Vertriebswege und Händlermargen. Werbung gibt es nicht, nur einen E-Mail-Verteiler und Mund-zu-Mund-Propaganda.

So funktioniert das Clemens en August-Prinzip

Ohne Geld konnte Alexander Brenninkmeijer keine Anzeigen für seine Kollektionen schalten, ohne Anzeigen kam er nicht in den Magazinen vor, ohne die Magazine kauften die großen Einkäufer nichts: ein neues Konzept musste her. Es besteht darin, den Verkaufszeitraum künstlich zu verknappen und nur an jeweils drei Tagen in einer Stadt zu verkaufen. Später geht nichts mehr, man muss jetzt oder nie kaufen.

Brenninkmeijer schaltet keine Anzeigen, sondern versucht, dafür zu sorgen, dass ihn die richtigen Kunden finden. Deshalb verkauft er die Mode von Clemens en August in Kunstgalerien und Museen. Die Exklusivität der Modelle ergibt sich aus dem streng limitierten Angebot durch die Art des Verkaufens.

Wenn auch Sie vom Clemens en August-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich

  • Kann ich mein Produkt durch gesteuerte Verknappung attraktiver machen?
  • Kann ich mein Produkt in ungewohntem Rahmen präsentieren und dadurch gezielt einen bestimmten Kundenkreis ansprechen?
  • Kann ich diese Präsentation meiner Produkte wie eine Tour gestalten?