Archiv 2009

Budenzauber in der Superbude

Pömpel als Garderobenhaken, Mausefallen als Zeitschriftenhalter, Gummischläuche als Vasen, Bierkisten als Hocker und ein Private Cinema auf Holzpaletten. Moderne Coolness statt Steifheit, Skype statt Zimmertelefon, 24 Stunden Catering statt rigider Essenzeiten: 

Wir haben uns ein Hotelkonzept angesehen, das mit einem besonders pfiffigen Angebot den modernen Reisenden anspricht.

Die Bude, genauer gesagt das im April 2008 eröffnete Hotel "Superbude" in Hamburg, ist regelmäßig rappelvoll. Es gibt 74 Zimmern auf sechs Stockwerken, von denen jedes konsequent in einer Farbe gehalten ist, der Gast kann zwischen Braun, Grau, Pink, Rot, Grün und Blau wählen. Abgesehen von der weißen Bettwäsche befindet sich in den Zimmern nur dieser Farbton in verschieden Abstufungen, auch im Bad, über das jedes Zimmer verfügt.

Das Hostel, das über einen Stern verfügt, hebt sich mit einigen Extras von der Konkurrenz ab: Flatscreens in den Zimmern, Waschsalon mit Trocknern, frei zugängliche Computer, ausleihbare Nintendo-Konsolen, ein kleines Kino, Nintendo Wii auf großer Leinwand und ein Fahrradverleih. Mitgebrachte technische Geräte lassen sich problemlos an die Flachbildschirme in den Zimmern anschließen.

Die "Doppelbude" mit Dusche, WC und Flat-TV ist zwischen 59 und 89 Euro zu haben. Rucksack-Touristen kommen hier schon für 16 Euro im Mehrbettzimmer (vier bis sechs Betten) unter.

Um so günstige Übernachtungstarife realisieren zu können, wurde in der Planungsphase kalkuliert, was ein Zimmer bei einem anvisierten Preis deutlich unter den Raten anderer Hotels bieten darf - und was verzichtbar ist. Gute Matratzen sollten es auf jeden Fall sein, Schallschutzfenster gegen den Straßenlärm, eine Designerlampe im Foyer, hochwertige Waschbecken sowie gute Vorhänge. Wo also konnte man reduzieren?

Das Resultat: Statt eines Schranks gibt es nur eine Kleiderstange. Der Garderobenhaken ist hier ein "Pömpel", eine ganz normale Saugglocke für den Sanitärbereich, die an die Wand gepfropft wurde. Minibar? Raus. Zimmertelefon? Raus. Telefoniert wird übers Internet, gegen geringe Leihgebühr gibt es mobile Skype-Telefone an der Rezeption. Als Sitzgelegenheit dient ein Hocker, der aus einer mit Kissen gepolsterten "Astra"-Bierkiste besteht.

Die gleichen Biermöbel stehen auch im Kitchenclub, der Selbstverpflegungs-Kantine des Hauses. Das ist einerseits stilecht - schließlich ist man so kiezig wie das Getränk selbst - außerdem generiert es nebenbei einen netten Werbekostenzuschuss über das Mobiliar! Das Kitchenclub-Personal schmeißt auch gleich noch die hauseigene 24-Stunden-Bar mit und gibt die Getränke aus. Dadurch entstehen quasi keine zusätzlichen Personalkosten.

Menschen aus aller Herren Länder kommen hier zusammen, typisches Hostel- Feeling stellt sich ein. Das Leben findet in den Gemeinschaftsräumen statt, im hauseigenen Kino oder im Sportsroom, wo die Gäste sich an der Wii-Konsole, an Boxsäcken, am Kicker oder mit Springseilen austoben können. Das ist sozusagen die Superbuden-Variante einer Wellness-Landschaft.

Während andere Hotels Messen und Tagungen für ihre tagesaktuellen Zimmerpreise einplanen, schaut sich das "Superbude"-Team nach großen Partys und Rockkonzerten um und gestaltet die Übernachtungsraten dementsprechend. Und die regelmäßig stattfindenden Konzerte, Partys und Poetry-Slams im Haus sorgen nicht nur für die popkulturelle Anbindung an die Hamburger Szene, sondern lassen nebenbei auch die Kasse klingeln.

Der übersichtliche Internet-Auftritt ist selbstverständlich genauso cool gestalt - man kann zum Beispiel mit einem Aufzug durch sämtliche Farb-Etagen der Superbude fahren, aussteigen und sich Zimmerbeispiele im Detail ansehen. Die Zielgruppe weiß das Angebot der Superbude zu schätzen: Die "Superbude" ist für alle, die nicht so viel Geld für Übernachtungen ausgeben wollen. Es ist eine neue Art der Pension, in der Jung und Alt, Familien und junge Geschäftleute, aber auch Schulklassen und Sportmannschaften wohnen können. Es ist authentisch, kein richtiges Hotel, eben eine Bude - eine "Super"-Bude!

So funktioniert das Superbude-Prinzip

Der Hamburger Hotelier Kai Hollmann hat mit innovativen Ideen ein Hotel der anderen Art geschaffen, das sein eigenes Publikum anzieht und begeistert. Er schickte übrigens seine Auszubildenden zum Hosteltest durch die Republik und gab ihnen in Workshops die Möglichkeit, sich in das neue Konzept einzubringen.

So entstand ein völlig neues Hotelkonzept, das auf ganz eigene Schwerpunkte setzt und andere, die in üblichen Hotels geboten werden, ganz weglässt. Beispielhaft ist hier der Kitchenclub, die Selbstverpflegungskantine der Superbude. Hier wird den Gästen Verpflegung rund um die Uhr geboten, ohne rigide Essenszeiten wie in anderen Hotels, und gleichzeitig Personal gespart. Dazu kommt die originelle Möblierung, die nicht nur spart, sondern sogar Geld "verdient" (durch Werbekostenzuschuss) und dem Hotel ein ganz individuelles Ambiente verleiht.

Die "Superbude" ist nicht nur Hotel mit tollem Ambiente zu günstigem Preis, sondern es werden auch Konzerte und Partys veranstaltet, eine zusätzliche Einnahmequelle, die zugleich der Werbung für das Hotel dient!

Wenn auch Sie vom Superbude-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich

  • Welche Teile meines Produkts oder meines Angebots kann ich reduzieren oder ganz wegfallen lassen, um andere dafür umso mehr betonen zu können?
  • Habe ich die Möglichkeit, Teile meines Produkts/Angebots als Werbeträger für andere Unternehmen anzubieten?
  • Kann ich mein Produkt/meinen Service auch mit branchenunüblichen Angeboten verbinden?