Archiv 2007
Spreewaldhof - Sauerkonserve mal ganz sexy
Sollten Sie sich jemals anlässlich eines Vortrags, Artikels oder Buchs mit dem Thema Querdenken beschäftigt haben, dürfen Sie diesen Beitrag getrost überblättern – Sie haben dann mit Sicherheit schon von DEM Querdenk-Klassiker schlechthin gehört haben: Die Gurke in der Dose. Und auch wenn das Beispiel mittlerweile gut bekannt ist, wäre es doch unter Strafe zu stellen, wenn ein Querdenk-Magazin initiiert würde, ohne wenigstens einmal die Dosengurke erwähnt zu haben. Wer sich schon einmal mit der Aufgabe konfrontiert sah, im gut sortierten Einzelhandel ein Glas Gurken zu kaufen, weiß: Die Auswahl an Gurken ist riesig. Meist stehen drei bis zehn fast identische Gurkengläser mit fast identischen Gurken in einer Reihe.
Ergänzt werden die klassischen Gurken meistens noch durch kleine, festere Cornichons und durch Gurkenhappen.
Und immer, wenn wie in diesem Beispiel der Preis das wichtigste Kaufkriterium ist, ist der Markt reif für einen Querdenk-Ansatz.
Das Unternehmen Spreewaldhof suchte nach anderen Anwendungsmöglichkeiten – und fand sie.
Im Jahr 2000 brachte es „Get one“ auf den Markt. Dabei handelt es sich um einen Gurkensnack für zwischendurch.
Die (einzelne!) Spreewaldgurke befindet sich in einer sogenannten Ringpull-Weißblech-Dose, die attraktiv gestaltet ist und in der Form an eine Dose Red Bull erinnert. Öffnet man den Deckel, kann man die Gurke mit Hilfe eines Aufstechers herausnehmen und essen.
Wer ein Glas Gurken kaufen möchte, um diese auf den heimatlichen Abendbrot-Tisch zu stellen, wird wohl eher nicht zur Gurke in der Dose greifen. Das ist jedoch auch nicht die einzige Zielgruppe des Spreewaldhofs.
Vermarktung von „Get one“
„Get one“ wird als Gurkensnack für zwischendurch vermarktet und findet Absatz über Fitness-Studios, Tankstellen und Diskos. Die auf diese Weise verkaufte Spreewaldgurke steht somit nicht mehr in Konkurrenz zur klassischen Supermarkt-Gurke, sondern ist eine Alternative zu Schokoriegeln, Chips und Cräckern oder anderen Zwischenmahlzeiten. Sie ist dabei jedoch viel gesünder und gefährdet auch die schlanke Linie nicht. Gerade in Fitness-Studios ist sie damit gut platziert.
Und der Preis? Preislich liegt „Get one“ meistens zwischen 1,50 und 2,50 Euro. Für diesen Preis bekommt man schon ein bis zwei Gläser Spreewaldgurken im Supermarkt.
So funktioniert das Spreewaldhof-Prinzip
Mit der Gurke in der Dose hat Spreewaldhof erfolgreich um die Ecke gedacht und einen ganz neuen Markt erobert: Den der Menschen, die einen schnellen Snack suchen und auf ihre Gesundheit achten.
Einen schnellen Snack an der Tankstelle finden viele in Form von Schokoriegeln.
Wenn auch Sie vom Spreewaldhof-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich:
- Was ist das Grundbedürfnis, das Ihre Kunden mit Ihrem Produkt erfüllen (beim Spreewaldhof-Prinzip: Essen zwischendurch)?
- Wo, wie und mit welchen anderen Produkten kann man dieses Grundbedürfnis erfüllen?
- Lösen Sie sich komplett von Ihrer Konkurrenz und überlegen Sie, wer zwar das gleiche Bedürfnis erfüllt, aber nicht zu Ihrem Wettbewerb gehört.
- Überlegen Sie, wie Sie Ihr Produkt modifizieren müssten, um in ganz anderen Märkten mit ganz anderen Wettbewerbern zu konkurrieren.

