Archiv 2007
Mit dem Skilift durch Venedig
Stellen Sie sich vor, Ihr Großvater hätte den Skilift erfunden. Heute, fast 70 Jahre später, gibt es auf der ganzen Welt fast kein Skigebiet mehr, dass nicht mit einer der von Ihrem Unternehmen mit einem Lift versorgt worden ist. In knapp 80 Ländern und auf jedem Kontinent stehen Ihre Anlagen. Das Wachstum strebt gegen null. Oder mit der trockenen Sprache der Berater formuliert: Die Lebenszykluskurve des Produktes Skilift zeigt steil nach unten.
Diese Situation ist der Alltag der österreichischen Firma Doppelmayr. 1937 baute der Großvater auf 1700 Metern den ersten Schlepplift der Welt – sein Enkel Michael Doppelmayr sieht sich als Vorsitzender des Vorstands heute mit der Situation konfrontiert, neue Wege zu suchen, um dem Unternehmen die Zukunft zu sichern.
Ein Geschäft ist die Modernisierung bestehender Anlagen. Der Zweier-Lift war gestern; in Szene-Skigebieten regieren heute mehrsitzige Lifte auf Wunsch mit Polster, Sitzheizung und Glasdach.
Doch Querdenker entwickeln nicht nur ihre Produkte weiter, sondern suchen darüber hinaus nach vollkommen neuen Märkten. Doppelmayr hat nicht nur gesucht – sondern auch gefunden.
Kernkompetenz: Transport
Die Kernkompetenz „Transport über längere Strecken an Seilen“ lässt sich nämlich nicht nur auf Personen mit einem oder zwei Brettern unter den Füßen anwenden.
Doppelmayr-Anlagen dienen nicht mehr nur dem Transport von Skifahrern, sondern bringen heute auch Menschen in anderer Umgebung und Güter aller Art von A nach B.
So pendeln Gondeln der Firma heute zum Beispiel auch in China zwischen Wolkenkratzern oder in Las Vegas zwischen verschiedenen Hotels einer Gruppe. Mitte 2006 erhielt Doppelmayr den Auftrag, ein Cable Liner Shuttle zwischen der künstlichen Insel Tronchetto und dem Piazzale Roma zu bauen. Die Waggons fahren zwar auf Schienen, werden aber von Seilen gezogen.
Die Idee: Seilbahnen kann man eigentlich überall einsetzen, auch zum Transport von Schütt- oder Stückgütern. Die Fördersysteme von Doppelmayr überwinden so Distanzen bis zu 20 Kilometern und werden zum Beispiel in Neuseeland und Australien eingesetzt. Hindernisse wir Straßen, Flüsse oder Eisenbahnlinien spielen keine Rolle.
Der erste Skilift für Autos
So entstand auch die erste Seilbahn für Autos: VW transportiert in seinem Werk in Bratislava die Fahrzeuge 15 Meter über der Erde von einem Ort zum anderen.
Die Suche nach neuen Märkten hat sich für Doppelmayr ausgezahlt. Im Geschäftsjahr 2005/2006 hat sich das Umsatzvolumen des Unternehmens um knapp 20 Prozent auf über 580 Millionen Euro erhöht. Etwa 180 Seilbahnprojekte wurden in dieser Zeit realisiert – ein Wachstum, das alleine im alpinen Markt sicher nicht zu erreichen gewesen wäre.
So funktioniert das Doppelmayr-Prinzip
Doppelmayr hat es geschafft, seine Kernleistung (Transport) auf andere Bereiche zu übertragen.
Der Transport von Menschen und Skiausrüstung über weitere Strecken und in der Höhe ließ sich auch auf andere Anwendungen übertragen. So ist es Doppelmayr gelungen, neue Märkte zu erobern, die mit Skilifts bisher nicht in Verbindung gebracht wurden.
Wenn auch Sie vom Doppelmayr-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich:
- Was ist der Kern Ihres Angebots? Wenn Sie Ihr Angebot auf das Wesentliche beschränken, was ist dies (abstrakt gesprochen)?
- Wo besteht noch Bedarf an dem Kern des Angebots?
- Wie wird dieser bisher gestillt?
- Welche Vorteile hätte Ihre Lösung gegenüber den Angeboten, die es heute in diesen anderen Märkten gibt?
- Wie müssten Sie Ihr Angebot abwandeln, um damit neue Bedürfnisse anderer Märkte zu befriedigen?

