Archiv 2007
Das Karamel Sutra der Hippies
Ben & Jerry’s haben keine Kunden - sie haben Fans. Liest man sich die Konsumentenberichte bei Internetportalen wie dooyoo durch, trifft man schon mal fast ausnahmslos auf Beschreibungen wie „das beste Eis, das ich je gegessen habe“. Bei dooyoo findet man Huldigungen statt Konsumentenberichten, wenn man nach Meinungen zum Eis von Ben & Jerry’s sucht. Wie macht man seine Kunden zu Verehrern?
Die amerikanischen Eis-Produzenten Ben & Jerry’s erfüllen offensichtlich nicht nur Kundenwünsche, sondern begeistern ihre Konsumenten. Das liegt zum einen an den außergewöhnlichen Produkten und zum anderen an dem Image, das das Unternehmen über viele Jahre aufgebaut hat. In Deutschland werden diese Faktoren mit einem äußerst cleveren Vertriebskonzept gepaart.
Ungewöhnliche Kombinationen
Bekannte Eis-Sorten wie Vanille, Schokolade oder Pistazie sucht man bei Ben & Jerry’s vergebens: Stattdessen verführen Namen wie NY Super Fudge Chunk, Chocolate Therapy, Caramel Chew Chew oder Karamel Sutra zum Kauf.
Für das Eis wird viel Sahne verwendet. Es wird außerdem mit weniger Luft aufgeschäumt als anderes Eis. Ein Becher mit 500 Millilitern ist daher viel schwerer als Konkurrenzprodukte. Auch die Zutaten, beziehungsweise ihre Kombination ist ausgefallen. Das bei den Engländern sehr beliebte Phish Food beinhaltet zum Beispiel Caramelstreifen, Marshmellow-Sauce und Knusperstückchen in Fischform.
Das Produktportfolio richtet sich konsequent am Markt aus. Neue Sorten erhalten die Chance sich zu beweisen und landen nach einer Testphase entweder für immer im Geschäft, oder auf dem Friedhof: Auf www.benjerry.com findet man auf dem Flavour Graveyard so ausgefallene Sorten wie Peanuts! Popcorn! oder Gingerbread Cookie mit braunem Zucker und Zimt sowie Keksen und Karamel mit Knoblauch-Aroma.
Der spezielle Humor, der sich durch das ganze Unternehmen zieht, musste am Anfang häufig erklärt werden, gehört jedoch zur Unverwechselbarkeit des Unternehmens.
Eine amerikanische Gründer-Story
Das Image wird immer noch von den Gründern stark geprägt:
Zwei amerikanische Hippies namens Ben und Jerry gründeten ihr erstes Geschäft für Premium-Eis 1978 in einer alten Tankstelle in Vermont, USA. „Make the nicest possible ice cream in the nicest possible way“. Amerikaner verbinden daher mit dem Unternehmen seit Jahren umfangreiches und Ernst gemeintes soziales Engagement. Sie erhielten als erste Eis-Hersteller weltweit das Fairtrade-Siegel.
Deutsche Kunden können die Premium-Eiscreme erst seit 2002 kaufen. Um den deutschen Markt zu erobern, setzte man auf eine sehr fokussierte Strategie: Erste Schwerpunkte setzte das Unternehmen auf einige wenige Regionen. Köln, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf und München gehören dazu. Vertrieben wird das Eis dort zum Beispiel über Videotheken oder Tankstellen-Shops, sowie einige zentrale Franchise-Partner. Auch in jungen Cafés, Coffee- und Bagel-Shops oder bei Heimlieferdiensten steht das Super-Premium-Eis oft auf der Karte.
Auf diese Weise wachsen Ben & Jerry’s nun auch in Deutschland stetig und die Marke wird kontinuierlich bekannter – auch aufgrund der treuen Fans, die nicht müde werden, vom Super-Premium-Eis zu schwärmen.
So funktioniert das
Ben&Jerrys-Prinzip
Ben & Jerrys fokussieren sich darauf, Super-Premium-Eis herzustellen, das cremiger ist als anderes Eis. Sie verwenden dazu nur ausgefallene Eissorten. Das ganze Unternehmen atmet trotz Übernahme durch einen Großkonzern den Lebensstil der beiden Gründer. Das Angebot richtet sich konsequent am Geschmack der Kunden aus.
Wenn auch Sie vom Ben&Jerrys-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich:
- Welches Image sollte Ihr Unternehmen haben? Welcher Geist soll es durchfließen und wie können Sie dies garantieren?
- Wie können Sie Ihre Kunden in die Ausrichtung Ihres Angebots einbeziehen?
- Welches klar definierte Ziel verfolgen Sie mit Ihren Produkten? Was können Sie weglassen, was hinzufügen, um diesen Fokus noch weiter herauszustreichen?

