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Interview mit consulteria-Gründerin Heike Kirchhoff
Zum 01. Februar 2007 geht in Bergisch Gladbach eine neue, frische
Unternehmensberatung an den Start. Wie die consulteria denkt und
arbeitet, erzählte ihre Gründerin, Heike Kirchhoff, im Interview.
querdenk-magazin: Frau Kirchhoff, Sie haben eine neue Unternehmensberatung gegründet – warum ist das ein Interview wert?
Mit der consulteria gehen wir erstmals neue Wege in der Unternehmensberatung. Wir haben uns zwischen klassischer Consulting-Branche und innovativen Marketingagenturen positioniert. Als eine der ersten Unternehmensberatungen bieten wir unseren Kunden vordefinierte Beratungsprodukte zu einem festen Preis. Das schafft Transparenz.
Außerdem möchten wir ein neues Berater-Image schaffen. Schon unser Name sagt aus: „Hier gibt es Unternehmensberatung in lockerer Atmosphäre.“ Der Name consulteria assoziiert absichtlich Begriffe wie Pizzeria und Cafeteria.
Es gibt nicht nur Drei-Sterne-Restaurants mit Hummer und Champagner, sondern zum Beispiel in einer guten Pizzeria auch leckeres Essen zum vernünftigen Preis. Wir haben uns gefragt, warum man dieses Prinzip nicht auch auf die Unternehmensberatung übertragen kann?
qm: Vielleicht weil Unternehmen lieber auf renommierte Rundum-Beratung setzen, wenn es um ihre Zukunft geht?
Das ist nicht unsere Erfahrung. Die meisten unserer Kunden sind sehr wohl in der Lage, eigene strategisch richtige Entscheidungen zu treffen. Sie brauchen keine Berater, die sich wochenlang in die Materie einarbeiten, um sich auf das gleiche fachliche Niveau ihrer Kunden zu begeben.
Wir erkennen an, dass unsere Kunden auf ihren Fachgebieten die Experten sind. Das ist tatsächlich eine neue Herangehensweise in der Beratung. Üblicherweise stellen sich Berater bei neuen Projekten als Branchenkenner dar. Oft ist es aber schwierig, besser über eine Branche informiert zu sein als jemand, der tagtäglich damit zu tun hat!
Was unseren Kunden hingegen manchmal fehlt, sind Kenntnisse über die neuesten Innovations- und Managementmethoden. Wenn man mit dem Alltagsgeschäft ausgelastet ist, kann man sich nicht auch noch bis ins Detail mit Theorien strategischer Konzepte beschäftigen. Welche Methoden gibt es, um das eigene Geschäft objektiv zu beurteilen? Welche Vorgehensweisen haben sich bei Strategien oder Budgetplanungen etabliert? Und was ist diese neue Methode „Value Innovation“, von der ich in der Zeitung gelesen habe?
Dieses Wissen ist unsere Kernkompetenz.
So arbeiten wir eng mit unseren Kunden zusammen und liefern keine Studien ab, die das Ergebnis mehrwöchiger Arbeit sind, und bei denen sich dann herausstellt, dass sie für den Kunden keinen Neuigkeiten enthalten, oder er etwas anderes erwartet hat. Wir bevormunden unsere Kunden nicht, sondern geben ihnen neue Impulse und wertvolle Anreize, die sie auf ganz neue, innovative Ideen bringen. Und ein netter Nebeneffekt ist, dass unsere Arbeit dadurch sehr bezahlbar wird. Wir lassen einfach das weg, worauf der Kunde verzichten kann.
qm: Für welche Branchen arbeiten Sie?
Wir haben uns absichtlich nicht auf bestimmte Branchen oder Unternehmensgrößen festgelegt. Unsere Kunden zeichnen sich nur dadurch aus, dass sie rechtzeitig Interesse an positiven Veränderungen haben und diese auch aktiv angehen.
qm: Was meinen Sie in diesem Zusammenhang mit „rechtzeitig“?
Wir unterstützen unsere Kunden dabei, neue Produkte und Geschäftsfelder zu identifizieren. Da es immer Zeit braucht, neues zu entwickeln, geht das am besten, wenn das etablierte Geschäft noch Gewinne abwirft. Bei uns geht es immer darum, Neues zu entwickeln. Wir kommen, bevor es zu spät ist!
Wenn alle klassischen Geschäfte eines Unternehmens bereits eingebrochen sind, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Dann geht es nur noch darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten – was meistens nur dadurch zu schaffen ist, dass Stellen gestrichen werden.
Diese Aufgaben führen wir bewusst nicht durch. Wir könnten auch gar nicht mehr produktiv mit den Mitarbeitern eines Unternehmens zusammen arbeiten, wenn diese fürchten müssten, dass wir ihnen den Arbeitsplatz wegnehmen wollen. So aber ist unser Auftritt im Unternehmen ein Zeichen dafür, dass der Manager gut ist: Er kümmert sich rechtzeitig um neues Geschäft und blickt aktiv in die Zukunft, anstatt nur Scherben wegzuräumen.
qm: Wie stehen Sie zu Ihrem Wettbewerb?
Die großen Unternehmensberatungen wie McKinsey, die Boston Consulting Group oder Roland Berger gehören natürlich nicht zu unseren Wettbewerbern. Wir wenden zwar teilweise die gleichen Werkzeuge an, sind aber viel zu klein, um damit zu konkurrieren und legen auch einen anderen Fokus.
Die kleinen und mittleren Beratungsagenturen gehen den Weg, sich immer weiter zu spezialisieren und immer kleinere Nischen vollkommen auszufüllen. Unsere Kunden profitieren jedoch von unserer Branchenvielfalt. Eines der wichtigsten Anliegen ist es, über den Tellerrand zu blicken. Wie aber wollen Sie mit Ihren Kunden neue Ansätze und innovative Ideen entwickeln, wenn Sie keine andere Branche kennen? Gerade das Querdenken führt ja zu den besten Entwicklungen. Wer immer nur für dieselbe Branche arbeitet, verkauft unserer Meinung nach auch immer nur das gleiche Wissen – bis alle Teilnehmer einer Branche wieder das gleiche Know-how haben.
qm: Der klassische Unternehmensberater trägt Boss-Anzug und Krawatte. Sie sitzen hier in Jeans und Bluse. Empfinden Ihre Kunden das nicht als mangelnde Wertschätzung?
(lacht) Im Gegenteil. Erstens sähe ich mit Krawatte wohl ohnehin etwas lächerlich aus. Wir betrachten Beratung als Handwerk. Hinter vielen komplizierten Begriffen unserer Management-Sprache verstecken sich einfachste Tatsachen. Was stellen Sie sich zum Beispiel unter dem Begriff „Storytelling“ vor, wenn es im Zusammenhang mit Managementmethoden genannt wird?
qm: Ehrlich gesagt – nichts.
Sehen Sie. Und so geht es auch vielen unserer Kunden. Mit Sprache kann man sehr gut manipulieren. Man gibt einer einfachen Sache einen komplizierten Namen und wirkt gleich viel kompetenter. So kann man es auch mit Kleidung halten: Teure Anzüge oder Kostüme scheinen hohe Honorare zu rechtfertigen. Wir hingegen drücken auch mit unserer Kleidung aus, dass wir uns nicht über unsere Kunden erheben, sondern mit ihnen zusammen auf einer Ebene arbeiten. Unser Motto lautet also „Gepflegt und ordentlich, aber nicht überkandidelt.“
qm: Und was versteckt sich nun hinter dem Begriff „Storytelling“?
Ach ja: Unter „Storytelling“ versteht man, dass man Wissen besser vermitteln kann, wenn man es in interessanten Geschichten verpackt, die man selbst erlebt hat. Dadurch prägen sich Mitarbeiter, Kollegen oder Kunden gewollte und ungewollte Verhaltensweisen besser ein. Eigentlich also ganz simpel.
qm: „Storytelling“ als Mogelpackung… Wer sind Ihre unternehmerischen Vorbilder?
Viele unserer Kunden sind unternehmerische Vorbilder für uns! Sie sind immer auf der Suche nach Neuem, bilden sich selbst ständig weiter und gehen verantwortungsvoll mit ihren Mitarbeitern um. Im Laufe der Zeit sind wir dem einen oder anderen Betriebswissenschaftler begegnet, der verständnislos oder sogar erschüttert auf Unternehmer blickt, die eine Firma ohne theoretische Kenntnisse von SWOT-Analysen oder Produkt-Portfolio-Matrizen aufgebaut haben. Gerade diese Unternehmer bewundere ich: Wer aus dem Bauch heraus und mit Herz ein gesundes Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen aufgebaut hat, ist doch zu bewundern! Und wenn diese Menschen sich heute aktiv mit modernen Methoden beschäftigen, nötigt mir das den größten Respekt ab.
Besondere Vorbilder sind mir jedoch Unternehmer, die es geschafft haben, Branchen komplett neu zu erfinden. Die Gründer von Geschäften wie Ikea, Germanwings oder Aldi gehören zum Beispiel dazu, aber auch jemand wie der Gründer von Red Bull, Dietrich Mateschitz, der es schafft, eine absolut stringente Markenphilosophie zu entwickeln und umzusetzen.
qm: Wer hatte die Idee für die consulteria?
Die Grundidee dazu hatte ich Ende 2005. Die Umsetzung hat dann aber ein Jahr gedauert, weil sie natürlich parallel zum Tagesgeschäft stattfand. Dabei hat sich eine Vielzahl von Unternehmen beteiligt. Unsere Kölner Marketingagentur p.o.l. kommunikation hat beispielsweise sehr viel mehr geleistet, als nur den Auftritt zu gestalten und sich auch inhaltlich konzeptionell beteiligt. Gleiches gilt für die Internetagentur Xbyte GmbH. Sie hat den Webauftritt konzipiert und darüber hinaus ebenfalls Einfluss auf Auftritt und Konzept der consulteria genommen.
Und auch einige Kunden und andere Geschäftspartner haben immer wieder Feedback gegeben und die consulteria aus ihrer Sicht bewertet, was natürlich sehr wichtig war, denn schließlich soll das Endergebnis ja bei den Kunden erfolgreich sein.
qm: Frau Kirchhoff, wir danken Ihnen für das ausführliche Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg.

